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Wilhelm Tell ArtikelWilhelm Tell ist der Nationalheld der Schweiz
Gessler und Tell, Illustration von 1880
Die Existenz Wilhelm Tells ist nicht erwiesen. Nach einer aktuellen Umfrage glauben
jedoch 60 Prozent der Schweizer, dass Wilhelm Tell existiert hat.
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Der Schütze Tell war in dem Mittelalter lebendig als Figur des Brauchtums, die in Theaterspielen und Kriegsriten auftrat. Es gab kultische Kriegerbünde, die als Tiere (zum Beispiel als Uri-Stier!) maskiert auftraten und nachts ihre Feinde heimsuchten. Offenbar war der "Wilde Jäger" oder eben "Tell" der Anführer und Darsteller Wotans. Dieses wilde Treiben ist bei den Trychlern noch erhalten.
Aegidius Tschudi verdichtete um 1570 zwei Versionen der Tell-Überlieferung zu einer Story weitab vom Brauchtum, die dann - ab 1804 - vor allem durch Schillers Tell Gemeingut geworden ist - Tell als patriotisch verherrlichter Attentäter, auf dem geschichtlichen Hintergrund von Attentaten zu Schillers Zeit, die sich alle gegen Akteure der französischen Revolution gerichtet hatten: gegen Revolutionsführer Marat, General Kléber, Konsul Napoleon und Zar Paul I. In den von Frankreich besetzten deutschen Monarchien sah man in Gessler den Usurpator Napoleon.
Wer nicht an Tell glaubte, war ein Staatsfeind : In der Eidgenossenschaft gehörte diese Optik zu dem Widerstand der Konservativen gegen die liberale Staatsauffassung, welche ihre Ideen aus der Französischen Revolution von 1789 schöpfte. Als um 1830 der liberale Luzerner Historiker Kopp es wagte, die auf Schillers Tell basierenden patriotischen Deutungen in Zweifel zu ziehen, geschah auf dem Rütli ein weiteres "Attentat": eine Kopp darstellende Puppe wurde verbrannt.
Dass sich bei der Gestaltung des schweizerischen Bundesstaates von 1848 die liberalen Kräfte durchsetzten, bedeutete jedoch keineswegs das Ende des Tell-Kultes. 1848 wurde nämlich Tell - neben Helvetia - offiziell als nationales Freiheitssymbol der jungen Schweiz eingeführt. Und 1891, als die Feiern "600 Jahre Eidgenossenschaft" das mythische Denken der Schweizer stärkten, mutierte Tell endgültig vom Symbol zur nationalen Identifikationsfigur. So trug der von Schiller geschaffene Zentralschweizer Heldenmythos schließlich zur Versöhnung der Liberalen mit den Konservativen bei.
Wilhelm Tell Denkmal in Altdorf um 1900
Inhalt der Legende von Tschudi: Als Wilhelm Tell am 18.11 1307 dem, vom Landvogt Gessler zu Altdorf als Zeichen der österreichischen Hoheit, aufgesteckten Hut die befohlene Reverenz nicht erwies, gebot ihm der Vogt, als berühmtem Armbrustschützen, einen Apfel von dem Kopf seines Sohnes zu schießen. Auf die Drohung, das Kind müsse sonst mit ihm sterben, tat Tell den Schuss und traf den Apfel. Als er aber auf die Frage nachdem Zweck des zweiten Pfeils, den er zu sich gesteckt hatte, antwortete, dass derselbe, wenn er sein Kind getroffen, für den Vogt bestimmt gewesen wäre, befahl dieser, ihn gefesselt auf seine Burg nach Küssnacht überzuführen. Auf dem Vierwaldstättersee aber brachte ein Sturm das Fahrzeug in Gefahr, und Tell ward seiner Fesseln entledigt, um dasselbe zu lenken. Geschickt wusste er das Schiff gegen das Ufer, wo der Axenberg sich erhebt, zu treiben, sprang dort vom Bord auf eine hervorragende Felsplatte, welche noch jetzt die Tellsplatte heisst, eilte darauf über das Gebirge nach Küssnacht zu, erwartete den Vogt in einem Hohlweg, Hohle Gasse genannt, und erschoss ihn aus sicherm Versteck mit der Armbrust. Von Tells weiteren Lebensschicksalen wird ca. noch berichtet, dass er 1315 in der Schlacht bei Morgarten mit gefochten und 1354 im Schächenbach beim Versuch der Rettung eines Kindes den Tod gefunden habe.
Nachdem schon der Freiburger Guillimann 1607, dann die Basler Christian und Isaak Iselin, der Berner Pfarrer Freudenberger 1752 sowie Voltaire ("Annales de l'Empire") die Geschichte Tells als Fabel genannt hatten, wurde in dem 19. Jahrhundert durch die Forschungen Kopps u.a. in unzweifelhafter Weise aufgezeigt, dass dieselbe, wie überhaupt die gewöhnliche Tradition von der Befreiung der Waldstätte, einerseits in dem Widerspruch mit der urkundlich beglaubigten Geschichte steht, und dass sie anderseits in keinen zeitgenössischen oder der Zeit näher stehenden Quellen mit irgend einer Silbe erwähnt wird. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts taucht die Tellsage auf, und zwar in zwei Versionen.
Die eine, repräsentiert durch ein um 1470 entstandenes Volkslied, die 1482 bis 1488 geschriebene Chronik des Luzerners Melchior Russ , ein 1512 in Uri verfasstes Volksschauspiel u. a., erblickt in Tell den Haupturheber der Befreiung und Stifter des Bundes; die andere, die zuerst im um 1470 geschriebenen anonymen Weissen Buch von Sarnen, dann in der 1507 gedruckten Chronik des Luzerners Etterlin erscheint, gibt Tells Geschichte ca. als zufällige Episode und schreibt die Verschwörung vornehmlich den Stauffacher zu. Erst Tschudi hat die beiden Traditionen zu der stehend gewordenen Gesamtsage verknüpft, die dann in dem Lauf der Jahrhunderte noch mancherlei Zusätze bekam und durch J. v. Müller und Schiller Gemeingut geworden ist.
Tellskapelle, Reproduktion eines Stiches in einer Tell-Ausgabe von 1914
Die so genannten Tellskapellen auf der Tellsplatte, in Bürglen und in der Hohlen Gasse stammen sämtlich erst aus dem 16. Jahrhundert und sind zu dem Teil nachweislich zu Ehren von Kirchenheiligen gestiftet worden. In Uri ließ sich keine Familie Tell ermitteln; die Erkenntnisse der Urner Landsgemeinden von 1387 und 1388, welche Tells Existenz bezeugen sollten, sowie die den Namen "Tello" und "Täll" enthaltenden Totenregister und Jahrzeitbücher von Schaddorf und Attinghausen sind als Erdichtungen und Fälschungen nachgewiesen.
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Die Sage vom Apfelschuss ist ein uralter indogermanischer Mythos, welcher in anderem Gewand auch in der persischen, dänischen, norwegischen und isländischen Heldensage, in welcher letzterer der Held Eigil genannt wird, von dessen Sohn, König Orentel, Tell vielleicht den Namen erhalten hat, vorkommt und in der Schweiz von den Chronisten des 15. Jahrhundert zur Ausschmückung der Befreiungssage benutzt worden ist.
Der Berner Pfarrherr Freudiger (1738 bis 1743 Prediger am Inselspital in Bern, Pfarrer von Frutigen und 1747 bis 1752 in Ligerz ) gab sich historischen Studien hin und entlarvte den schweizerischen Wilhelm Tell als dänischen Sagenstoff mit geschichtlichem Hintergrund. 1760 beschrieb er aus Angst vor den Auswirkungen anonym die Herkunft des vermeintlichen schweizerischen Nationalhelden Wilhelm Tell, - als norwegischen Saga-Import. Die Saga des Schützen Toko, in dem Dienste des dänischen Königs Harald Blauzahn (939-966), besagt, dass dieser prahlerische Schütze vom König gezwungen wurde, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen und Toko den König als Rache während eines Liebesabenteuers erschoss. Gottlieb Emanuel Haller gab eine französische Übersetzung in eigenem Namen heraus, weil dem Autor der Mut zur Veröffentlichung fehlte.
Buch-Tipp: Friedrich Schiller: Wilhelm Tell. Lektüreschlüssel Nicht ca. für Schüler In dieser kostengünstigen Ausgabe von Reclam finden sich viele grundlegende Informationen, die das Verständnis des Werkes erleichtern. Biographische und historische Informationen, der Werkaufbau, kurze Inhaltsangaben zu den einzelnen Kapiteln, Charakterisierungen und aussagekräftige Interpretationen sowie umfangreiche Wort-... |
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Das Schauspiel Wilhelm Tell wurde 1804 von Friedrich Schiller geschrieben und erstmals in Weimar aufgeführt. Sein Freund Johann Wolfgang von Goethe besuchte zwischen 1775 und 1795 einige male die Schweiz und war von der Gegend um den Vierwaldstättersee und der Tellsage angetan. Goethe beschaffte sich auch Tschudis Schweizerchronik und erwog, die Schweizer Befreiungssage dichterisch umzusetzen. Um 1797 - 1804 weilten Goethe und Schiller in Paris und Goethe erzählte Schiller die Sage und seine Eindrücke von der Gegend. Schiller, welcher niemals in der Schweiz weilte, schrieb daraus das Drama in fünf Aufzügen und erweckte die handelnden Figuren zu dem Leben.
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1829 komponierte Gioacchino Rossini die Oper 'Guillaume Tell' und die Tell-Ouvertuere daraus wurde weltbekannt.
Hörprobe: Tell-Ouvertuere (http://www.tell.ch/sound/williamtell.mid)
Buch-Tipp: Königs Erläuterungen und Materialien, Bd.1, Wilhelm Tell Gut zu gebrauchen ! Die Königs Erläuterung des Wilhelm Tell ist super zu verstehen. Ich bin in dem Gymnasialzweig und wir lesen Schillers Drama momentan.
Unser Deutschunterricht ist sehr anspruchsvoll. Wir lesen die verschiedenen Aufzüge, müssen es dann in einem Erzählkreis berichten, Inhaltsangaben schreiben, wichtige Stellen markieren und Fragen... |
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Tyrannenmord
Buch-Tipp: Reclam Universal-Bibliothek, Nr.12, Wilhelm Tell Wenn's Not tut, Fährmann, lässt sich alles wagen Generell bin ich eher skeptisch, wenn es um "klassische" deutsche Literatur geht - speziell wenn sie auf dem Lehrplan deutscher Schulen steht. Da ich von "Wilhelm Tell" allerdings schon viel Gutes gehört hatte, habe ich mir das Stück einmal zugelegt. Das Ergebnis: eine Revolutions-Story mit tollen... |
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Dieser Artikel basiert zu dem Teil auf dem Artikel Tell, Wilhelm (http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/meyers/servlet/showSeite?SeiteNr=0576&BandNr=6&textmode=true) aus Meyers Konversationslexikon von 1888.
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